PTR Leder Mursa

Der andere Weg zu einer neuen Ledergarnitur

Aus Unternehmen: Betrieb an der "Vestischen" macht sich stark für Reparaturen / Oldtimer-Fans treffen bald Autosattler

Kratzer auf dem Lederpolster, Risse in der Sessellehne, der Lieblingshandtasche oder Lederjacke? Kein Problem, sagt Udo Mursa. Ob reinigen, reparieren, färben oder Altleder restaurieren: Der 49-jährige Unternehmer wehrt auch bei kleineren Aufträgen nicht ab. Seit Juni 2001 har er eine Werkstatt im neuen Gewerbegebiet gegenüber der "Vestischen", Am Hamndwerkerhof 10.

Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 250 Quadratmeter Werkstattfläche stehen hinter Udo Mursa und dem Wahlspruch "Wir verstehen Leder". Für den gebürtigen Marler war das nicht immer so, denn von Haus aus ist er Schlosser. Danach sattelte er bei der Hüls AG zum Chemiefacharbeiter um und hielt die Nase in den Wirtschaftswind. "1981 habe ich mich mit einer Polster- und Lederreinigung selbstständig gemacht. Die Nachfrage nach Polsterreinigung stieg". An Leder wollte er nicht ran. Diese Aufträge leitete er an eine Spezialfirma weiter -bis der Schock kam. "Eine Garnitur habe ich schlimmer wieder zurückbekommen, als sie vorher war." Danach nahm er es selbst in die Hand. "In Hamburg habe ich einen speziellen Lederreparaturkurs besucht." Wie es weiterging, hat ihm die Kundschaft "gesagt". Udo Mursa: "Die Nachfrage bestimmt das Angebot."
1995 ging er in die Vollselbstständigkeit und baute seitdem kontinuierlich an seinem Unternehmen. Die nächsten Schritte stehen schon fest. Ein Polsterermeister wird gesucht. "Wir wollen individuell und nach Maß Garnituren bauen." Ahmed Cansiz, ein türkisch-stämmiger Mitarbeiter, ist zwar Polsterer. Seine Prüfungen werden aber in Deutschland nicht anerkannt. Der 20-jährige Jan Mursa wird ab 2004 das Team verstärken und mit seinen Kenntnissen ein weiters Segment hinzufügen: Beim Bottroper Autotuner Brabus hat er Autosattler gelernt. Oldtimer-Besitzer können also hoffen, demnächst in Herten Hilfe für ihre wertvolen Lederpolster zu finden.

Jan und Udo Mursa

Vater und Sohn arbeite ab Januar unter einem Dach. Jan Mursa hat seine Lehre als Autosattler beendet und kann seinen Vater Udo unterstützen.

Carmen Wilschewski

Carmen Wilschewski ist gelernte Pelz- und Ledernäherin. Sie macht auch für alte Sofas ein nagelneues Kleid

Firmengründer Udo Mursa fühlt sich durch diese Entwicklung bestärkt. Mit der "guten Truppe und der Unterszützung des Sohnes" glaubt er an die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens. Für ihn als "Selfmade"-Unternehmer zählt nicht in erster Linie, was an Ausbildung und Noten auf dem Papier steht, sondern was die Leute leisten.
Darum ist es nicht abwegig, dass im Lederbetrieb auch ein ehemaliger Elektriker und ein Maler und Anstreicher nun ganz andere Aufgaben erledigen. "Der wichtigste Raum ist die Färberei mit neuer Absauganlage", sagt Udo Mursa, denn abgenutzte, abgeschabte oder verblasste Ledermöbel werden wie neu. "Mam kann Leder aber auch umfärben. Viele kommen gar nicht darauf. Und dann haben sie praktisch eine ganz neue Einrichtung."
Eine Ledergarnitur mit Sofa und zwei Sesseln umzufärben kostet rund 850 € plus Mehrwertsteuer, nennt er ein Preisbeispiel.
Was ihm zunehmend wichtiger geworden ist, ist die Botschaft an seine Kunden: Alte Möbel nicht ungeprüft wegwerfen! "In den letzten Jahren hat die Qualität nachgelassen. Seit drei Jahren ist es ganz schlimm," die Kunden können das selten sehen, denn es geht dabei um die Untergestelle. "Selbst namhafte Designer arbeiten mit Dachlatten, Spanplatten und Styropor. Das hält vielleicht drei Jahre," erzählt Mursa, der kostenlos die Stücke vor Ort besichtigt. Wer den Betrieb in Herten kennenlernen will, kann das auch einmal im Monat tun.

von Dagmar Hojtzyk